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Digital Assessment Insights 01/2026

Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen im HR-Management: 10 Praxistipps

Viele Unternehmen und Verwaltungen setzen digitale psychometrische Tests und Fragebögen ein, um Bewerber auszuwählen, Kompetenzen und Potenziale von Mitarbeitern, Führungskräften oder Klienten zu analysieren und zu entwickeln, oder auch um Arbeitstätigkeiten und Organisationsmerkmale sowie deren Wirkungen zu untersuchen. Einsteiger wie auch manche Anwender stehen jedoch vor gewissen Herausforderungen. Diese Praxistipps bieten Hinweise und Lösungen hierzu.

Hinweis: Dieser Artikel ist der erste Teil einer Reihe von 12 Newsblog-Artikeln von Februar bis Juli 2026 mit Praxistipps zur Eignungsdiagnostik, zum digitalen Assessment und zu psychometrischen Tests und Fragebögen für das HR-Management. Der zweite Artikel zur Künstlichen Intelligenz in der Eignungsdiagnostik und Personalauswahl erscheint am 25.02.2026. Alle weiteren Termine und Themen am Schluss.

Übersicht

Psychometrische Tests und Fragebögen sind psychologisch-diagnostische Verfahren, die nach festgelegten Anforderungen an psychologische Messinstrumente entwickelt werden und bestimmte Gütekriterien erfüllen – welche die Qualität dieser Verfahren und weitere wichtige Kriterien zeigen (vgl. DIN 33430 und Tipp 4).

Digitale psychometrische Tests und Befragungen im HR-Management liefern neue Daten und Ergebnisse, und ergänzen damit andere Beurteilungsinstrumente für psychologische Merkmale, wie: Dokumentenanalyse, Interviews sowie systematische Verhaltensbeobachtungen in bestimmten Situationen (z.B. Probearbeitstage, Übungen im Assessment-Center oder Arbeitstätigkeiten).

Einsteiger und potenzielle Anwender in der Nutzung dieser Instrumente stehen jedoch vor einigen Herausforderungen, die vor allem fachlicher, technischer und rechtlicher Art sind.

Mein Beitrag liefert Ihnen zehn Praxistipps, die Ihren Einstieg in psychometrische Tests und Fragebögen für das HR-Management erleichtern. Sie sind bereits Anwender? Dann finden Sie ebenfalls einige interessante Informationen, die Ihnen helfen, Ihre Arbeit weiter zu verbessern!

1️⃣ Klären Sie, bei welcher Aufgabe Ihnen psychometrische Tests und Fragebögen helfen sollen.

2️⃣ Klären Sie, welche psychologischen Merkmalen Sie messen möchten – Und wie Tests oder Fragebögen bestehende Verfahren ergänzen.

3️⃣ Bestimmen Sie die Zielgruppen, bei denen diese Verfahren eingesetzt werden sollen.

4️⃣ Informieren Sie sich über die DIN 33430.

5️⃣ Erweitern und vertiefen Sie Ihre Kenntnisse in Eignungsdiagnostik sowie psychometrischen Tests und Fragebögen.

7️⃣ Klären Sie die technischen Bedingungen.

8️⃣ Holen Sie sich Unterstützung.

9️⃣ Achten Sie bei der Auswahl von Testsystemen, Anbietern und Dienstleistern auf bestimmte Faktoren.

🔟 Lesen Sie diesen Leitfaden.

Hinweis 1: Lesen Sie (und liken bei Gefallen) auch meinen dazugehörigen LinkedIn-Post mit seiner Einführung über die Verbreitung psychometrischer Tests und Fragebögen in Deutschland.

Hinweis 2: Umfassende Inhalte zu jedem dieser Praxistipps für interessierte HR-Professionals und andere Personen finden Sie nachfolgend. Diese sind vor automatischen Webcrawlern, Bots und KI-Agenten sowie unerlaubtem Textmining durch eine E-Mail-Verifizierung geschützt. Die Freigabe hakt? Dann kontaktieren Sie mich per Formular oder E-Mail, und ich sende Ihnen so bald wie möglich den Zugang. Wichtig: Das Fazit am Artikelende sowie die weiteren Themen und Termine dieser Artikelserie sind nicht geschützt.

Tipp 1: Klären Sie, bei welcher Aufgabe Ihnen psychometrische Tests und Fragebögen helfen sollen.

Diese Instrumente können, wie bereits angesprochen, für verschiedene Ziele im HR-Management eingesetzt werden. Klären Sie, bei welcher HR-Aufgabe psychometrische Tests eingesetzt werden sollen:

  • Möchten Sie Ihr Recruiting und die Bewerberauswahl verbessern? Die Passung zwischen Job und Person erhöhen?
  • Möchten Sie Kompetenzen und Potenziale von Mitarbeitern, Führungskräften, Teams oder Klienten in einer Beratung ermitteln und entwickeln? Und ggf. Fortschritte evaluieren?
  • Oder möchten Sie Arbeitstätigkeiten und Organisationsmerkmale analysieren, um z.B. ein Anforderungsprofil zu erstellen, psychische Arbeitsbelastungen und Gefährdungen erkennen, oder die Arbeits-, Führungs- und Organisationskultur besser zu gestalten?

Jede dieser Situationen profitiert vom Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen, die als Messinstrumente besonders objektiv, realiabel (zuverlässig) und valide sind (Hauptgütekriterien), und auch weitere, sogenannte Nebengütekriterien, wie Wirtschaftlichkeit, Fairness und Akzeptanz, erfüllen. Doch nicht jedes Verfahren ist für jedes Ziel, jeden Merkmalsbereich und jede Zielgruppe entwickelt wurden, was uns zu Tipp 2 und 3 führt.

Inhalt geschützt!

Dieser Unternehmensinhalt ist vor automatischem Textmining und unbefugter Verwendung durch KI-Agenten, Webcrawler und Bots geschützt. Sie erhalten jedoch als Interessent einfach Zugriff per Name und E-Mail-Adresse, die Sie bitte anschließend verifizieren. Diese verbeiben ausschließlich in den Händen von Stefan Klemens! Sie können von ihm zur Ansprache potenzieller Kunden genutzt werden, an die sich dieser Inhalt hauptsächlich richtet.

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Tipp 2: Klären Sie, welche psychologischen Merkmalen Sie messen möchten – Und wie Tests bestehende Verfahren ergänzen.

Möchten Sie die Kompetenzen und Potenziale von Personen zu einer bestimmen Stelle oder Position ermitteln, die sich auf die allgemeine oder spezielle Persönlichkeitseigenschaften beziehen? Stehen die kognitive Leistungsfähigkeit oder die Führungskompetenzen im Fokus? Oder interessieren Sie sich für besondere Merkmale wie das Potenzial für Unternehmensgründung und Selbstständigkeit?

Sollen psychologische Arbeitsanforderungen und Führungs- und Organisationsmerkmale erhoben werden, und / oder deren Wirkungen auf die psychische Beanspruchung, die Arbeitsmotivation, die Arbeitszufriedenheit, das Commitment oder auf arbeitsbedingte Erkrankungen wie chronischer Stress und Burnout?

Möchten Sie bestehende Verfahren wie Interviews oder Verhaltensbeobachtung mit psychometrischen Tests erweitern, kombinieren und / oder vielleicht den finanzellen und personenbezogenen Aufwand reduzieren durch eine bessere Vorauswahl? Oder möchten Sie die Ergebnisse von Tests für Fragen in Interviewy oder Entwicklungsgesprächen nutzen?

Natürlich können Sie bei Bedarf auch zwei oder mehr psychologische Merkmale aus verschiedenen Bereichen innerhalb eines Online-Assessments in einer so genannten Testbatterie kombinieren.

Clever ist beispielsweise ist die Kombination der Messung von (1) Persönlichkeitseigenschaften und der kognitiven Leistungsfähigkeit oder von (2) Arbeitsanforderungen und deren Wirkungen auf die psychische Beanspruchung, die Arbeitszufriedenheit oder das Commitment.

Im ersten Fall, weil beide Merkmalsbereiche einer Person unterschiedlich und eigenständig zum Berufs- und Unternehmenserfolg beitragen. Denn für die optimale Passung zwischen einer Arbeitstätigkeit und einer Person bedarf es die laut Anforderungsprofil entsprechenden persönlichkeits- und leistungsbezogenen Kompetenzen und Potenziale.

Im zweiten Fall, weil Sie sowohl Ansatzpunkte haben, um Arbeitstätigkeiten besser zu gestalten, und gleichzeitig sehen, wie die aktuellen Arbeits- und Organisationsbedingungen sich auf Ihre Beschäftigten auswirken. Beispielsweise um Fehlzeiten und Fluktuation zu senken, die teilweise durch negative Faktoren in der Arbeit verursacht werden, wie Praxiserfahrungen, arbeitswissenschaftliche Modelle und Forschungsergebnisse zeigen.

Tipp 3: Bestimmen Sie die Zielgruppen bei denen psychometrische Tests oder Fragebögen eingesetzt werden sollen.

Psychometrische Tests und Fragebögen im HR-Management unterscheiden sich grundsätzlich nicht nur darin, wie breit oder tief bzw. allgemein oder spezifisch diese einen bestimmten psychologischen Merkmalsbereich bzw. eine bestimmtes Merkmal messen, sondern teilweise auch bezüglich ihrer Zielgruppen.

Wenn gleich viele dieser Verfahren bei unterschiedlichen beruflichen Zielgruppen eingesetzt werden können, gibt es bestimmte Verfahren, die ausdrücklich oder eher für eine der folgenden Gruppen entwickelt wurden: Führungskräfte, Nachwuchsführungskräfte, Ausbildungsplatzbewerber, Beschäftigte, Selbstständige, Vertriebler, Hochschulabsolventen oder Menschen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen.

Tipp 4: Informieren Sie sich über die DIN 33430.

Sie kennen die Aufgabe, die Merkmale und die Zielgruppen, bei denen psychometrische Tests oder Fragebögen eingesetzt werden sollen. Sehr gut! Damit haben Sie bereits sehr konkrete Vorstellungen hinsichtlich des Einsatzes dieser interessanten Instrumente, um ihren Beurteilungsprozessen im HR-Management einen Qualitätsschub zu verleihen.

Jetzt (auch bereits vorher sinnvoll) lege ich Ihnen ans Herz, sich über die DIN 33430 zu informieren: Diese Norm enthält Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik, und sie hat sich seit ihrer erstmaligen Publikation 2002 in Deutschland etabliert (in Österreich und der Schweiz gibt es eine vergleichbare Norm; international mit der ISO 10667 einen ähnlichen, jedoch etwas abweichenden Standard).

Die DIN 33430 beschreibt Qualitätskriterien und -standards und bezieht sich auf alle Situationen, in denen die Eignung und das Potenzial einer Person beurteilt wird. Sie ist jedoch keine Produkt-, sondern eine Dienstleistungsnorm, die sowohl Aussagen über (a) die Qualifikation der Beteiligten, (b) die gebotenen Instrumente als auch (c) die notwendigen Prozesse trifft. Sie finden in der DIN 33430 auch die gebotenen Verfahren, die zur Eignungsbeurteilung verwendet werden können, wie psychometrische Tests und Fragebögen.

Informieren Sie sich über die DIN 33430 durch eine Internetrecherche, ein Fachbuch (siehe auch Tipp 5) und natürlich den Normtext selbst, erhältlich bei DIN Media (früher Beuth-Verlag) oder kostenfrei einsehbar über bestimmte Datenbanken und Auslegestellen bzw. Normen-Infopoints, z.B. Hochschulen oder IHK (Beispiele: Hochschule Düsseldorf, Hochschulbibliothek, Verein Deutscher Ingenieure).

Starten Sie heute mit »DIN SCREEN 4 – Checkliste zur Kontrolle und Optimierung der Qualität berufsbezogener Eignungsdiagnostik nach DIN 33430« von Martin Kersting (2025), die Sie hier kostenfrei herunterladen können (86 Seiten). Hinweis: Martin Kersting ist einer der renommiertesten Experten für Eignungsdiagnostik in Deutschland, und u.a. nach verschiedene Praxistätigkeiten heute Professor für Psychologische Diagnostik an der Universität Gießen.

Hier noch ein Verweis auf eine weitere relevante Norm: Planen Sie den Einsatz psychometrischer Fragebögen zur psychologischen Arbeitsanalyse und zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bei der Arbeit nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes, informieren Sie sich über die DIN EN ISO 10075 (siehe auch auch Tipp 6).

Tipp 5: Erweitern und vertiefen Sie Ihre Kenntnisse in Eignungsdiagnostik sowie psychometrischen Tests und Fragebögen.

Nun ist es angebracht, sich tiefer mit den Grundlagen und Standards beruflicher Eignungsdiagnostik und der DIN 33430, seiner Instrumente und Prozesse zu beschäftigen – sofern Sie hierfür ausreichend Ressourcen verfügen und keine externe Unterstützung suchen oder benötigen. Dies kann auf mehreren Wegen erfolgen:

  • Fachbücher
  • Videos und Podcasts
  • Weiterbildungen
  • Bachelor-Studium der Wirtschaftspsychologie?

Fachbücher

  • Standards der Personaldiagnostik von Uwe Peter Kanning (2019, 2. Auflage): Ein ausführliches (Nachschlage-)Werk mit fast 800 Seiten.
  • Alternativ, kürzer mit 248 Seiten und aktueller: Eignungsdiagnostik: Qualifizierte Personalentscheidungen nach DIN 33430 (inkl. KI in der Personalauswahl, DIN SPEC 91426 zum Videointerview, ISO 10667) von Harald Ackerschott, Norbert Siegfried Gantner und Günter Schmitt (2023).
  • Ebenfalls sollte in Ihre Auswahl kommen das Fachbuch des Diagnostik- und Teskuratorium (Hrsg., 2018): Personalauswahl kompetent gestalten: Grundlagen und Praxis der Eignungsdiagnostik nach DIN 33430 mit 263 Seiten.

Weitere Fachbücher bieten sich an zu speziellen und / oder aktuellen Themen wie Diagnostik für Führungspositionen bzw. Management-Diagnostik, digitale Personalauswahl und KI-gestützter Eignungsdiagnostik, Gamification, Persönlichkeitstests oder Leistungstests. Hier gibt es einige wichtige, aktuelle und bald erscheinende Werke von Autoren oder Co-Autoren wie Uwe Peter Kanning, Klaus P. Stulle, Rüdiger Hossiep und Markus Langer, deren Lektüre lohnt!

Und: Schauen Sie sich auch den Ethik Check KI an: Die Richtlinien für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz und weiteren digitalen Technologien in der Personalarbeit als Checkliste, die hier als PDF verfügbar ist (20 Seiten).

Videos und Podcasts

Weitere Optionen, um seine Kenntnisse über Eignungsdiagnostik und psychometrische Tests zu erweitern, sind Videos und Podcasts. Beispielsweise die Reihe 15 Minuten Wirtschaftspsychologie von und mit Uwe Peter Kanning auf YouTube. Folge 106 informiert beispielsweise zu Situational Judgment Tests – spannende und sehr praxisbezogene Ergänzungen zu klassischen Tests!

Auf der Videoplattform von Google finden Sie auch weitere Videos renommierter Wirtschaftspsychologen und Eignungsdiagnostikern wie Rüdiger Hossiep (Co-Autor des BIP) oder, wie bereits oben genannt, Martin Kersting (humorvoll und fachlich: Sein Beitrag zur Eignungsdiagnostik beim Science Slam 2024 Marburg).

Zwei Beispiele für Podcasts ist dieser mit Fachmann und DIN-Mitinitiator Harald Ackerschott, und dieser mit einem Praxisbeispiel für Eignungsdiagnostik beim Unternehmen Rossmann. Ein wichtiger Akteur ist auch Jo Diercks, der Ihnen bei einer Recherche begegnen wird.

Weiterbildungen

Sie suchen nach einer Weiterbildung zur Eignungsdiagnostik und zur DIN 33430? Hierzu stehen Ihnen spezielle Qualifizierungsangebote zur Verfügung, die mit einer Prüfung und ggf. einer Personen-Lizenz zur Eignungsdiagnostik abschließen: Beispielsweise von der Deutsche Psychologen Akademie.

Oft weniger brauchbar sind Seminare und Qualifizierungen zu einzelnen Verfahren (meist zur Persönlichkeit) einzelner Anbieter, deren psychometrische Qualität recht unterschiedlich ausfällt. Hier gilt es sehr genau zu prüfen, ob das Verfahren und die Lizenzierungsseminare wirklich ihr Geld wert sind und zu den gewünschten Zielen passen. Bewertungsmaßstab ist wieder die DIN 33430 sowie die eignungsdiagnostische Verortung und Qualifikation des Anbieters, die von nicht vorhanden bis ausgezeichnet reichen kann.

Bachelor-Studium Wirtschaftspsychologie?

Streben Sie vielleicht sogar nach umfassenden Wissen und noch fundierteren Kenntnissen? Dann ist vielleicht ein Bachelor-Studium der Wirtschaftspsychologie etwas für Sie, welches Sie nebenberuflich an einer Fern- oder Fachhochschule absolvieren können.

Hier erlernen Sie nicht nur die Grundlagen und Anwendung der Eignungsdiagnostik, sondern natürlich weitere Methoden und Inhalte, wie psychologische Arbeitsanalyse und Organisationsdiagnostik, zentrale und relevante psychologische Theorien und Modelle sowie Wissen über psychologische Merkmale und deren Zusammenhänge. Und natürlich stehen Ihnen durch das Studium mehr, weitere und andere berufliche Möglichkeiten offen!

Dies mag zwar nur für wenige Leser:innen der richtige Weg sein, sollte jedoch in dieser Liste nicht fehlen.

Tipp 6: Klären Sie die rechtlichen Bedingungen für den Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen in Ihrem Unternehmen mit den relevanten Personen.

Der Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen in Unternehmen berührt einer Reihe rechtlicher Fragen, die Berücksichtigung relevanter rechtlicher Bedingungen und die Kommunikation mit relevanten Personengruppen und Personen.

Nicht nur innerhalb der HR-Abteilung, sondern vor allem auch außerhalb, wie der Geschäftsleitung, dem Datenschutzbeauftragen, dem Betriebs- oder Personalrat, dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement bzw. dem Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Informieren Sie sich über Datenschutz und Mitbestimmung, klären Sie über den Sinn, Zweck und die Vorteile psychometrischer Tests und Fragebögen auf, und holen Sie das Einverständnis der Betroffenen oder Zustimmungspflichtigen ein.

Formulieren Sie passende Erklärungen, denen die Bearbeiter vor Durchführung zustimmen sollen, und ggf. eine Betriebsvereinbarung. Holen Sie sich ggf. rechliche Unterstützung, wenn Sie oder in Ihrer HR-Abteilung nicht über entsprechende Kompetenzen verfügen.

Tipp 7: Klären Sie die technischen Bedingungen.

Digitale psychometrische Tests und Fragebögen werden in der Regel durch ein spezielles Testsystem eines externen Anbieters verwaltet, durchgeführt und ausgewertet. Einige Unternehmen bieten Ihnen eine Online-Plattform oder lokale Software an, in der Sie selbstständig Tests erwerben, vorgeben, automatisch auswerten und Berichte erstellen können.

Zudem können Sie Daten und Ergebnisse exportieren, in andere HR-Software-Systeme importieren oder direkt über ein API-Schnittstelle anbinden.

Ich empfehle hier immer, jemanden aus der IT-Abteilung mit ins Boot zu holen oder einen technisch versierten Mitarbeiter aus der HR-Abteilung, in der solche durch den verbreiteten Einsatz von HR-Software und People & HR-Analytics immer mehr werden.

Alternativ, wenn Sie sich nicht in ein solches Testsystem und die damit möglichen Tests einarbeiten wollen, können Sie auf den Service des Anbieters oder von spezialisierten Unternehmen zurückgreifen, die diese Aufgaben für Sie erledigen.

Tipp 8: Holen Sie sich Unterstützung.

Niemand kann alles – oder muss alles können! Gerade der HR-Bereich hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren deutlich verändert. Neben starken technologischen, digitalen und datengetriebenen Entwicklungen mit vielen HR-Software-Anbietern, mit Cloud-Lösungen, mit People- und HR-Analytics und natürlich auch mit Künstlicher Intelligenz, verändert sich auch die Rolle der HRM: Statt Verwaltung von HR-Daten und Mitarbeitern hin zu Business-Partnerschaft, Effizienz und Employee Experience über den gesamten Lebenszyklus eines Mitarbeiters mit seinen vielfältigen Aufgaben. Hinzu kommen Hindernisse wie Budgetkürzungen und weniger Personen im HR-Bereich.

An dieser Stelle macht es Sinn (wenn nicht bereits zuvor) darüber nachzudenken, ob nicht ein externer Dienstleister mit spezieller Expertise viele Aufgaben beim Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen abnehmen kann, um einen zuverlässigen, schnellen und qualitativ hochwertigen Prozess zu gewährleisten.

Wie die Eigenentwicklung von Tests häufig viel Geld und Zeit kosten, ist auch die Unterstützung bei der Auswahl, Durchführung und Auswertung psychometrischer Tests und Fragebögen bis hin zu individuellen Rückmeldungen oft kostengünstiger und qualitativ besser, als die alleinige interne Beschäftigung mit diesen relativ komplexen Verfahren.

Tipp 9: Achten Sie bei der Auswahl von Testsystemen, Anbietern und Dienstleistern auf bestimmte Faktoren.

Möchten Sie psychometrische Tests und Fragebogen einsetzen und externe Unterstützung in Anspruch nehmen, dann stellt sich Ihnen die Frage nach der Auswahl passender Testsysteme, Anbieter und Dienstleister. Welche Kriterien sollen Sie hierzu heranziehen?

Neben der oben erwähnten DIN 33430 zur Prüfung der Qualifikation der Beteiligten und der eingesetzten Verfahren und Prozesse, helfen Ihnen folgende Auswahlkriterien in Bezug auf die Prüfung der Komptenzen: Einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen in Eignungsdiagnostik durch formale Qualifikationen (Wirtschaftspsychologe, Diplom-Psychologe oder DIN-Lizenz), abgeschlossene Projekte und Referenzen, eigene Testentwicklungen, Publikationen, Interviews, Vorträge, Artikel und LinkedIn-Posts.

Ferner: Führen Sie Gespräche mit potenziellen Anbietern, erleben Sie eine Demonstration des Testsystems, probieren Sie Tests aus, lesen Sie Ergebnisberichte und lassen Sie sich diese vom Anbieter erklären. Und fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen oder etwas unklar bleibt.

Tipp 10: Lesen Sie einen Leitfaden.

Einen komprimierten Einstieg finden Sie auch in dem 50-seitigem Springer-Essential von Thomas Steiniger (2020): Der Einsatz von psychologischen Testverfahren in Unternehmen: Ein Leitfaden für Anwender und solche, die es werden wollen.

In acht kurzen Kapiteln erfahren Sie vieles, was Sie zum Thema wissen sollten. Ähnliche Hinweise finden Sie z.B. spezielle für psychometrische Persönlichkeits- und Leistungstest bei Hossiep & Mühlhaus (2015) und Schmidt-Atzert & Krumm (2009).

Fazit

Diese zehn Tipps enthalten viele wichtige Hinweise, um den Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen für das HR-Management zu planen und anzugehen. Sie sind jedoch weder abschließend, noch jeder für jede Situation und für jede Organisation in gleicher Weise relevant.

Unterschiede in der Planung und Umsetzung gibt es zwischen Großunternehmen, mittelständischen Unternehmen und Startups, zwischen Branchen und HR-Bereichen, zwischen Wirtschaft und Verwaltung.

Und auch dann, wenn bereits Erfahrungen mit psychometrischen Tests und Fragebögen vorliegen, also kein völlig neuer Einstieg ansteht. Doch auch hier können mittels dieser Praxistipps mögliche Missverständnisse in diesem relativ anspruchsvollem Gebiet ausgeräumt werden.

Besprechen und planen Sie daher bei Bedarf mit einem internen oder externen Experten, wie Sie am besten psychometrische Tests und Fragebögen für Ihre individuelle Herausforderung im HR-Management einsetzen können, welche Anbieter und Testsysteme für Sie passen und weitere relevante Punkte.

Viel Erfolg bei der Umsetzung der Tipps und ich freue mich, Sie ggf. kennen zu lernen!

Freundliche Grüße

Stefan Klemens

Gerne stehe ich Ihnen für ein unverbindliches Erstgespräch zur Verfügung: Vereinbaren Sie Ihren Termin mit mir telefonisch unter 0152 23591736, schreiben Sie mir eine Nachricht bzw. E-Mail oder buchen Sie einen Termin online.

Weitere Termine und Themen zu dieser Newsblog-Reihe

Wie zu Beginn geschrieben, hier nun die gesamte Liste zur 12-teiligen Reihe von wöchentlichen Newsblog-Artikeln von Februar bis Juli 2026 mit Praxistipps zur Eignungsdiagnostik, zum digitalen Assessment und zu psychometrischen Tests für das HR-Management.

05.02.2026: Teil 1: Einsatz psychometrischer Tests und Fragebögen im HR-Management: 10 Praxistipps |LinkedIn-Post

25.02.2026: Teil 2: Künstliche Intelligenz in der Eignungsdiagnostik und Personalauswahl – Praxistipps für HR-Professionals

12.03.2026: Teil 3: Potenziale messen für Startups und Unternehmensgründungen – Praxistipps für Banker, Förderer und Investoren

26.03.2026: Teil 4: Wie teste ich für Führungspositionen? Praxistipps zur Auswahl und Entwicklung

16.04.2026: Teil 5: New Work I Psychologische Arbeits- und Organisationsmerkmale messen, bewerten und gestalten – Tipps

30.04.2026: Teil 6: Persönlichkeitstests im HR-Management – 10 Praxistipps für Anwender und Einsteiger

14.05.2026: Teil 7: New Work II Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und Commitment: Praxistipps zur Messung und Gestaltung

28.05.2026: Teil 8: Qualitätsstandards, Normen und Gesetze in der Eignungsdiagnostik: Praxistipps für hochwertige und sichere Beurteilungen

11.06.2026: Teil 9: Leistungsfähigkeit und Intelligenz mit psychometrischen Tests messen: Praxistipps für HR-Professionals

25.06.2026: Teil 10: Psychische Arbeitsbelastungen und Gefährdungsbeurteilung: Praxistipps

09.07.2026: Teil 11: Psychische Beanspruchung, Stress und Burnout messen und vermeiden: Praxistipps

23.07.2026: Teil 12: – Thema und Titel folgen –

Hinweise: Geringe Änderungen in Bezug auf Thema, Titel und Reihenfolge möglich. Die Termine wurden aus zeitlichen Gründen angepasst.

Tipp: Sie möchten keinen Beitrag verpassen und bei Publikation des Artikels informiert werden? Dann vernetzen Sie sich mit Stefan Klemens auf LinkedIn oder besser: Senden Sie ihm eine Nachricht per Online-Formular oder eine E-Mail.

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Messung Veranstaltung

150 Jahre Meterkonvention am 20. Mai 2025

Heute feiern wir den 150. Tag der Meterkonvention: Der Vertrag vom 20. Mai 1875 zwischen 17 Staaten in Paris, der die Maßeinheiten Meter und Kilogramm vereinbarte – und den Grundstein der heutigen festgelegten, sieben Internationalen Einheiten (SI-Einheiten) für physikalische Größten legte, die unser Leben bestimmen.

Ohne Messung kein Leben!

Lieber Gast,

heute schon gemessen? Oder vielleicht eher: Messen lassen? Obwohl fast jeder von uns fast jeden Augenblick die Ergebnisse von Messungen nutzt, denken wir oft wenig darüber nach. Denn es geschieht meist automatisch – und nur bei Fehlern, falschen Messungen oder Anpassungen (z.B. Uhren umstellen für Sommer- und Winterzeit) horchen wir auf.

Doch die Uhr an Deinem Handgelenkt, das Handy in der Tasche, die Temperaturanzeige oder die Fahrzeuge, die wir nutzen – um nur wenige Beispiele zu nennen – beruhen auf physikalischen Konventionen, Einheiten, Erkenntnissen, Experimenten, Theorien, Gedanken und Ideen.

Meter, Kilogramm, Sekunde, Ampere, Kelvin, Mol und Candela: Mit diesen SI-Einheiten wissen wir beispielswiese, wie schnell und weit wir mit dem Auto fahren, wie viel Uhr und wie warm es gerade ist, und wie stark der Strom unserer Lampe fließt. Ohne die Entwicklung der Messung durch unsere Vorfahren, ihrer theoretischen Grundlagen und praktischen Messinstrumenten, hätten wir heute kein Internet und keinen Strom, kämen nur zur Fuß zur Arbeit und einfaches Grillen mit Stock über dem Feuer oder Kochen mit dem Kohleofen wäre immer noch unsere einzige Garmethoden.

Und wenn wir es biologisch und von unserem Gehirn und Körper betrachten: Auch hier spielt die Messung eine zentrale Rolle. Unser Körper hat Sensoren und Rezeptoren, um z.B. Berührung, Druck, Hitze oder Schmerz wahrzunehmen, und um die Konzentration bestimmter Hormone zu messen. Zellen feuern, wenn bestimmte Aktionspotenziale erreicht sind und leiten so Informationen weiter. Das Gehirn agiert und reagiert mit elektrischen Impulsen über seine Nervenbahnen, um Muskeln zu bewegen. Ohne körpereigene Messungen wären wir tot.

Poster zum Weltmesstag 2025: Links die offizielle Version und rechts die deutsche Fassung. Quelle: World Metrology Day; Urheber: BIPM, PTB. Mehr zum 150. Jahrestag der Meterkonvention inklusive Link zum Video der Feier aus Paris unten.

Die Meterkonvention

Und mancher mag beim Begriff »Meterkonvention« sich an den Physikunterricht in der Schule erinnern und vielleicht fällt Dir dann auch ein, worum es 1875 in Paris ging:

Denn ein Jahrhundertereignis des Messens war die Unterzeichnung der Meterkonvention am 20. Mai 1875 in Paris: 17 Staaten vereinbarten in diesem Vertrag das metrische System zu fördern; und sie legte nicht nur den Grundstein für die Maßeinheiten Meter und Kilogramm, sondern auch für folgende Einheiten und das SI-System von 1960 für physikalische Größen.

Auf diesen und weitere Maßen und Messgeräten, der sich daraus entwickelten Wissenschaft vom Messen, der Metrologie, basieren auch die Erfolge der Chemie, Biologie und Medizin, der Technik und Informatik, des Maschinenbaus und der Architektur – also der Fortschritt unserer gesamten Zivilisation und Kultur: Das Leben, das wir heute kennen und führen!

Messung als Grundlage für Fortschritt und Innovation

Die genaue Messung mit akkuraten Instrumenten auf Basis schlauer Überlegungen und handwerklichen Geschicks bei der Konstruktion und Verbesserung von Messgeräten ist somit entscheidend für Qualität, Innovation und bestmögliche Entscheidungen! Und: Je mehr Menschen dies tun, desto mehr profitieren alle davon – wie die Folgen der Meterkonvention und einheitlicher Standards bzw. Normen, z.B. für technische, medizinische und organisatorische Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, uns vor Augen führen – oder oft diese Errungenschaften kaum mehr bemerken, und uns meist erst bei Reisen in andere Länder diese Unterschiede auffallen (z.B. Stromstecker, Fahrenheit statt Celsius, Gallone statt Liter).

Qualitätsstandards und Normen, die von nationalen und internationalen Institutionen und Vereinen herausgegeben werden, wie dem Deutschen Institut für Normung e. V. in Berling und der International Organization for Standarization (ISO) in Genf.

Psychometrie: Messung in der Psychologie

Auch die Messung psychologischer Merkmale entspringt diesem empirisch-naturwissenschaftlichem Vorgehen: Aus der Psychophysik entstand die experimentelle Psychologie mit ihren psychologischen Labore (die Geburtsstunde der Psychologie als Wissenschaftsfach), die Psychometrie und die psychologische Diagnostik – und aus dieser wiederum die Eignungsdiagnostik (engl.: Professional Assessment) sowie die Normen DIN 33430 und ISO 10667, über die ich kürzlich anlässlich der Kanzler- und Papstwahl Anfang Mai 2025 in diesem Artikel schrieb.

150 Jahre Meterkonvention am 20. Mai 2025

Dieses Jahr jährt sich die Unterzeichnung des Vertrags von Paris zum 150. Male: Aus diesem Anlass gibt es eine Feier im Rahmen eines Symposiums der UNECSCO in Paris, welches auch per Live-Stream auf YouTube übertragen wird und danach auch als Video zur Verfügung stehen wird:

Video vom Livestream der Feier zum 150. Jahrestag der Meterkonvention bei der UNESCO in Paris: Symposium mit Rednern, Diskussionen und musikalischen Pausen. Dauer: 7:34 Stunden.

Das Motto des Weltmesstages dieses Jahr zum seinem runden Geburtstag lautet passend zur Bedeutung der Meterkonvetion und des Messens allgmein: Measurements for all times, for all people. Weiter Informationen zum »World Metrology Day« gibt es auf dieser Website sowie nachfolgend unter einigen Links.

Fazit

Wie ich bereits 2024 und 2023 zum Weltmesstag schrieb, gibt es daher heute viele gute Gründe zum Feiern: Stoßen wir an auf die Zukunft, viele tolle Messungen und neue Entdeckungen, Innovationen und Fortschritte, die sie uns in vielen Lebensbereichen und Arbeitswelten bringen! Und das tolle: Jeder kann teilnehmen. Jeder kann messen. Jeder kann etwas tun: Wenn man will und versucht, mehr experimentiert als theoretisiert; seine Ideen und Gedanken an der Wirklichkeit mit guten Maßeinheiten und Instrumenten prüft!

Herzliche Grüße, Stefan Klemens

Weiterführende Informationen

Nachfolgend habe ich eine Reihe von weiterführenden Informationen rund um die Themen Meterkonvention und Messung zusammengestellt:

Weltmesstag: 150 Jahre Meterkonvention

Telepolis: Die Evolution des Messens, 29.05.2025
https://www.telepolis.de/features/Vom-Weizenkorn-zur-Planck-Konstante-Die-Evolution-des-Messens-10358235.html

SWI Swissinfo.ch: Seit 150 Jahren misst die Schweiz in Metern, 20.05.2025
https://www.swissinfo.ch/ger/seit-150-jahren-misst-die-schweiz-in-metern/89348855

scinexx.de: Happy Birthday: 150 Jahre Meterkonvention, 20.05.2025
https://www.scinexx.de/news/physik/happy-birthday-150-jahre-meterkonvention

Symposium der UNESCO

UNESCO: World Metrology Day Symposium 2025, 20. bis 22.05.2025
https://www.unesco.org/en/days/metrology
https://www.unesco.org/en/articles/world-metrology-day-2025
Live Stream:
https://webcast.unesco.org/events/2025-05-WMD

The BIPM: 150 Jahre Meterkonvention
https://www.bipm.org/en/bipm-anniversary
https://www.youtube.com/watch?v=S8ThWwTKYD8&list=PL-vj-3_a7wTB6dJbOVbohAsFqrmswdiet (Opening Video)
https://www.youtube.com/watch?v=QlEw8inHuA8&list=PL-vj-3_a7wTB6dJbOVbohAsFqrmswdiet (BIPM Director Martin Milton)

Physikalische-Technische Bundesanstalt (Nationales Metrologie Institut)
https://www.ptb.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisch-Technische_Bundesanstalt

Weltmesstag

Tag des Messens, Metrology Day: 20. Mai
https://www.worldmetrologyday.org
https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_des_Messens

Meterkonvention
https://de.wikipedia.org/wiki/Meterkonvention

Stefan Klemens: Newsblog-Artikel zum Weltmesstag 2024 und 2023
https://www.schorberg.de/20-mai-2024-hast-du-gestern-auch-den-weltmesstag-world-metrology-day-gefeiert/
https://www.schorberg.de/weltmesstag-am-20-mai-2023

The BIPM: Internationales Büro für Maße und Gewichte, Paris (Bureau International des Poids et Mesures)
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_B%C3%BCro_f%C3%BCr_Ma%C3%9F_und_Gewicht
https://www.bipm.org
https://www.youtube.com/thebipm

Messung, Einheiten, Größen

Metrologie (Wissenschaft vom Messen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Metrologie
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Metrologie

Internationales Einheitensystem (SI-Einheiten)
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Einheitensystem

Angloamerikanisches Einheitensystem
https://de.wikipedia.org/wiki/Angloamerikanisches_Ma%C3%9Fsystem

Imperiales Einheitensystem
https://de.wikipedia.org/wiki/Imperiales_Einheitensystem

Geschichte von Maßen und Gewichten
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ma%C3%9Fe_und_Gewichte

Liste physikalischer Größen
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_physikalischer_Gr%C3%B6%C3%9Fen

Internationales Größensystem (ISQ)
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Gr%C3%B6%C3%9Fensystem

Internationale Einheit (Medizin, Keine SI-Einheiten!)
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Einheit

Willkürliche Einheit (relative Einheit; Beispiel: Internationale Einheit der Medizin)
https://de.wikipedia.org/wiki/Willk%C3%BCrliche_Einheit

Psychometrie: Messung in der Psychologie

https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/psychometrie
https://de.wikipedia.org/wiki/Psychometrie
https://en.wikipedia.org/wiki/Psychometrics

https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-981-99-6000-2_500-1
https://www.psychometricsociety.org/what-psychometrics
https://www.researchgate.net/publication/304183842_Psychometrics

Qualitätsstandards DIN 33430 und ISO 10667

DIN 33430: Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik
https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/din-33430
https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_33430
https://www.dinmedia.de/de/norm/din-33430/254909784

ISO 10667: Assessment service delivery – Procedures and methods to assess people in work and organizational settings (Part 1: Requirements for the client; Part 2: Requirements for service providers)
https://www.dinmedia.de/de/norm/iso-10667-1/332330620
https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_33430#ISO_10667
https://www.iso.org/standard/74716.html
https://www.iso.org/standard/74717.html

Digitales Assessment von Anforderungen und Kompetenzen in der Arbeit und in Organisationen

https://www.digitalassessment.de/messung
https://www.digitalassessment.de/psychologische-merkmale

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Veranstaltung

Rückblick: 17. Anwendertag »Bochumer Inventare« am 23.11.2024

Das Projektteam Testentwicklung um den Wirtschaftspsychologen Rüdiger Hossiep von der Universität Bochum organisiert jedes Jahr einen Anwendertag zu den von ihnen entwickelten psychometrischen Tests (»Bochumer Inventare«). Die 17. Ausgabe der Veranstaltung fand am 23. November 2024 statt – ein Rückblick.

Ankunft und Programm

Nach meiner Teilnahme letztes Jahr am Anwendertag »Bochumer Inventare« sowie 2016 u. a. mit einem spannenden Beitrag von Rüdiger Hossiep zur »dunklen Seite« bei Top-Führungskräften mit dem Titel: Managerversagen – Wenn Entscheidungsträger entgleisen, fuhr ich an einem grau-sonnigem Samstagmorgen Ende November mit dem Zug gespannt auf einen tollen Tag von Düsseldorf zur Ruhr-Universität Bochum (kurz: RUB).

Ankunft an der Ruhr Universität Bochum (RUB). Foto: Stefan Klemens

Über die Bochumer Inventare:
Die Bochumer Inventare sind Verfahren für das Human Resource Management (HRM) zur Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern und Führungskräften bis zum Top-Management – wie der bekannte Persönlichkeitsfragebogen BIP. Diese erfüllen die Qualitätsanforderungen der DIN 33430 an Instrumente zur berufsbezogenen Eignungsdiagnostik, sind über den Hogrefe Verlag beziehbar und werden von vielen HR-Professionals eingesetzt.

Rüdiger Hossiep und sein Projektteam Testentwicklung hatten zum diesjährigen Anwendertag »Bochumer Inventare« ins Veranstaltungszentrum eingeladen was mich als digitaler Nutzer der berufsbezogenen Tests und Fragebögen aus dem Hause Hogrefe natürlich sehr interessierte. Und auch der Fachverlag für Psychologie aus Göttingen war dort mit mehreren Mitarbeitern und einem Stand vertreten (Mein Tipp: Buchreihen Praxis der Personalpsychologie, Managementpsychologie, Wirtschaftspsychologie und Innovatives Management).

Ausblick und Ankunft am Veranstaltungszentrum im Süden der Uni nach 10 Minuten Fußweg. Foto: Stefan Klemens

Auf dem Programm des 17. Anwendertags von 10 bis nach 15 Uhr standen vier Beiträge neben ausreichend Pausen zum Netzwerken bei leiblicher Versorgung:

  • Rüdiger Hossiep: Kick-Off und Eröffnung
  • Rebekka Schulz: Occupational Burnout Inventory (OBOI)
  • Julie Alten: Überfachliche Anforderungen entwickeln
  • Rüdiger Hossiep: Management-Diagnostik
Event badge zum Anwendertag. Foto: Stefan Klemens

Kick-off: Wegweisendes zum Tag

Nach einem »Meet & Greet« ab 10 Uhr der Teilnehmer bei Getränken und Snacks (für mich aus zeitlichen Gründen durch den ÖPNV leider nicht), startete Rüdiger Hossiep mit seinem Kick-Off-Vortrag das Event.

Rüdiger Hossiep bei der Eröffnung. Foto: Stefan Klemens

Er begann mit einer Übersicht über die mehr als 15 Testverfahren, die das Team unter seiner Leitung seit 1994 entwickelt hat angefangen mit dem »Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP)«, das laut Claudia Obmann (2020) im Handelsblatt als deutscher Goldstandard unter den Persönlichkeitstests für Manager gelte.

Zum Portfolio des Projektteams gehören neben speziellen Versionen des Persönlichkeitsfragebogens BIP auch kognitive Leistungs- und Intelligenztests wie BOMAT und BOWIT sowie weitere berufsbezogene Verfahren zur Mitarbeiterführung, zur Burnout-Prävention und zur Mitarbeiterbefragung. Außerdem gibt es publizierte oder Forschungsversionen zu anderen Anwendungsfeldern wie der Einstellung zum Automobil und aktuell zur Erziehungsfähigkeit.

Zudem informierte Rüdiger Hossiep die Teilnehmer über weitere Aktivitäten der Bochumer Gruppe wie Buchveröffentlichungen im Rahmen der Reihe Praxis der Personalpsychologie, die Gruppe Bochumer Inventare auf LinkedIn und die bisherigen Anwendertage und er gab am Ende Hinweise zu den folgenden Vortragsthemen sowie zum zeitlichen und örtlichen Ablauf der Veranstaltung.

Das Occupational Burnout Inventory (OBOI) Ein personalpsychologischer Fragebogen zur Burnout-Prävention

Nach einer Pause zur Stärkung (Refresh & Refuel) ging es weiter mit einem Impuls zum Thema Arbeit und Gesundheit von Rebekka Schulz, die seit 2024 als Professorin für Psychologie an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im Fachbereich Finanzen in Münster arbeitet, zuvor u.a. vier Jahre Dozentin in der Führungskräftefortbildung bei der Generalzolldirektion war und 13 Jahre zum Projektteam Testentwicklung gehörte.

Rebekka Schulz von der Hochschule des Bundes. Foto: Stefan Klemens

Rebekka wurde 2015 promoviert für ihre Doktorarbeit zur Relevanz personenbezogener Faktoren hinsichtlich der Messung des Burnout-Risikos, in denen das OBOI entwickelt wurde. Hinweis: Das Verfahren hieß früher Bochumer Burnout Indikator (BBI); siehe zum OBOI bzw. BBI auch diesen Forschungsbericht des Projektteams Testentwicklung.

Rebekka Schulz stellte uns das Occupational Burnout Inventory (OBOI) vor, dessen Co-Autorin sie zusammen mit Rüdiger Hossiep ist. Das Verfahren dient zur Burnout-Prävention in der Arbeit. In Form einer Selbsteinschätzung anhand von 45 Aussagen zu fünf Dimensionen und 17 Unterskalen ist es ein Frühwarninstrument zur systematischen Erfassung des Burnout-Risikos bei individuellen oder organisationalen Fragestellungen sowie zur Entwarnung bei unauffälligen Werten.

Beispiel-Profil aus dem OBOI. Foto: Stefan Klemens

Die Merkmale des Verfahrens: Mit einer nur kurzen Bearbeitungszeit von fünf bis sieben Minuten erfüllt das OBOI dennoch ausgesprochen gut die psychometrischen Gütekriterien Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültigkeit) auf Basis einer sehr großen Normierungsstichprobe von rund 16.200 Menschen. Mit einigen Fragen aus dem Publikum u. a. zur Interpretation des Ergebnisprofils schloss der interessante Beitrag von Rebekka Schulz.

Jenseits von Programmiersprachen Mit ITʼlern eine gemeinsame Sprache zu über-fachlichen Anforderungen entwickeln

Auf der Bühne des Veranstaltungszentrums der Bochumer Universität sprach danach Julie Alten vom IT-Dienstleister Materna zu überfachlichen Anforderungen an Tech-Mitarbeiter. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Dortmund hat das Online-Portal und die App für DHL Paket realisiert neben zahlreichen anderen Lösungen, die Millionen Menschen meist ohne Wissen nutzen. Seine weiteren Kunden sind zum Beispiel OBI, Vodafone, Viessmann, die Bundesagentur für Arbeit und die Finanzverwaltung NRW [siehe folgenden Kasten »Über Materna« für mehr Informationen].

Julie Alten von Materna. Foto: Stefan Klemens

Julie Alten ist bei Materna als Principal Business Partnerin u.a. zuständig für Talent Acquisition; sie hat eine Master in Wirtschaftspsychologie und ist seit 2024 systemische Coachin.

In ihrer Präsentation fokussierte sich Julie auf die überfachlichen Anforderungen an die Tekkies, da diejenigen an fachliche Fähigkeiten, z.B. an einen Softwareentwickler Java (m/w/d), meist klar, relativ einfach definierbar und ermittelbar seien.

Deutlich schwieriger sei diese Klarheit und Verständigung jedoch zwischen den Beteiligten bei den überfachlichen Anforderungen einer Stelle und den dazu notwendigen sozialen und persönlichkeitsbezogenen Fähigkeiten, die besonders auf dem Senior-Level der ITʼler mit Führungsverantwortung noch wichtiger werden.

Über Materna:
Die Materna Information & Communications SE ist ein führendes und wachsendes Unternehmen mit den Bereichen IT-Beratung und Systemintegration im B2B-Geschäft und in der öffentliche Verwaltung.
Einige Zahlen: Materna betreut weltweit mehr als 1.000 Kunden an über 40 Standorten und hat seit 2020 seine Mitarbeiterzahl auf mehr als 4.400 und seinen Umsatz auf 673 Mio. Euro (2023) verdoppelt. Zudem festigt das Unternehmen u. a. durch Partnerschaften mit Aleph Alpha und Microsoft seine Position bei Projekten zur Künstlichen Intelligenz [siehe für mehr die Wikipedia und diese Presseinformation]. Weiter interessant: Materna betreut auch die Personalmanagementsoftware EPOS 2.0 des Bundesverwaltungsamtes, das mehr als 60 Behörden des Bundes und einige Landesverwaltungen einsetzen.

Ausgehend u. a. von einem tätigkeitsbasierten Laufbahnmodell mit Job-Familien und verschiedenen Leveln bestand die Vorgehensweise des Teams um Julie Alten und ihrer Kollegin Claudia Krüger (die aus privaten Gründen nicht dabei war) bei diesem Projekt zur Entwicklung überfachlicher Anforderungen aus folgenden fünf Schritten:

  • Erhebung von Anforderungen
  • Diskussion und Definition mit Expertinnen der Job-Familien
  • Formulierung persönlicher Anforderungen
  • Abgleich mit konkreten Bedarfen: Präzisierung der Anforderungen in Vakanzen
  • Erstellen eines standardisierten Interviewleitfadens pro Job-Familie

Für die Erhebung der Anforderungen nutzte das #TeamMaterna das Anforderungsmodul des BIP-6F, das die jeweiligen Job-Experten von Materna bearbeiteten; es umfasst sechs Skalen: Engagement, Disziplin, Sozialkompetenz, Kooperation, Dominanz und Stabilität.

Die Ergebnisse aus diesem Schritt 1 wurden anschließend in Workshops mit den Experten intensiv diskutiert, um u. a. zu Anforderungskorridoren bei zwei Leveln einer Job-Familie zu gelangen: Junior und Senior.

Ergebnisse aus dem BIP-6F-AM: Anforderungsprofile an Senior Softwareentwickler bei Materna. Foto: Stefan Klemens

Dabei zeigte sich, dass die Anforderungskorridore hinsichtlich der ermittelten Soll-Profile des Senior-Levels deutlich enger waren als bei den Junior-Profilen. Beispielsweise gab es zur Anforderung »Kooperation« (Inwieweit wird Teamarbeit bevorzugt) deutlich weniger Spielraum nach unten für die Seniors bedingt mit durch deren bedeutsamere Rolle als Führungskraft für den Teamerfolg.

Im Anschluss daran erfolgte die Formulierung persönlicher Anforderungen an Junior und Senior Softwareentwickler für jede Skala des BIP-6F-AM unterstützt durch passende sprachliche Anker.

Das Ergebnis der ersten vier Schritte des Projekts von Julie Alten und ihrem Team war die Präzisierung der überfachlichen Anforderung in den Stellenausschreibungen für offene Positionen, wie die für einen Senior Softwareentwickler:in Java (»Das zeichnet dich persönlich aus«).

Beispielweise soll diese Seniors persönlich bezüglich ihrer Führungskompetenzen folgende Aussage auszeichnen: »Du nimmst gerne die Rolle des Mentors ein und es bereitet dir Freude andere Developer zu fördern.«

Materna: Ergebnis des Projekts nach Schritt 4: Die abgeleiteten überfachlichen Anforderungen in der Stellenbeschreibung im unteren Bereich. Foto: Stefan Klemens

Der fünfte und letzte Schritt, den sie vorstellte, war das Erstellen eines standardisierten Interviewleitfadens pro Job-Familie.

»Wo stehen wir jetzt?«, fragte Julie am Schluss ihres Impulsvortrags zum vorgestellten Projekt, wobei ihr Fazit sich sowohl auf eine kurz- als auch langfristige Perspektive bezog: Die Standardisierung der überfachlichen Anforderungen und Interviewleitfäden sowie ein einheitliches Vorgehen und bessere Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Kandidaten.

Insgesamt zeigte sich für die Talentakquisition bei Materna:

  • Die Entscheidungen werden einfacher und besser.
  • Die Beteiligung weiterer Interviewer wir leichter.
  • Eine Erhöhung der Qualität der Auswahlprozesse.

Mit einigen Fragen und Hinweisen (z.B. zur Kreativität von Entwicklern) endete ihr spannender Praxisbeitrag.

Lunch & Lounge

Die folgende Mittagspause ab 12.45 Uhr mit allerlei leckeren Sachen wie Käsesuppe, Quiche und Snacks nutzen wir anschließend sowohl zur Energieaufladung als auch für Gespräche zum Austausch mit anderen Teilnehmern auch ein wichtiges und ausdrückliches Ziel des Events.

Buffet zur Mittagspause. Foto: Stefan Klemens

Es war schön hier einige Bekannte wieder zu sehen und neue Menschen mit ihren Herausforderungen im HRM kennen zu lernen. Fachlich wie humorvoll war es, auch wenn es keine »roten Nasen« wie letztes Jahr gab (denn der Anwendertag fiel 2023 auf Samstag, den 11. November, den Starttermin des Karnevals in vielen Gegenden!).

Management-Diagnostik: Update zu Prädiktoren, Parametern und Persönlichkeiten

In seiner finalen Keynote zur Management-Diagnostik von 14 bis 15 Uhr brachte uns Rüdiger Hossiep u.a. mit:

Rüdger Hossiep bei seiner Keynote. Foto: Stefan Klemens
  • Spannende Geschichten von verurteilten, gefallenen, umstrittenen und / oder wiederauferstandenen Stars und Sternchen aus dem Top-Management wie Sam Bankman-Fried, René Benko, Elisabeth Holmes oder Jan Marsalek (Wirecard).
  • Psychologische Klassifikationen, Konzepte und Modelle zur Beschreibung, Erklärung und Vorhersage von Eigenschaften im Top-Management sowie des Fehlverhaltens, Leistungsversagens, Derailments (Entgleisen) und gravierender Misserfolgs im Top-Management. Beispielsweise: Sad-bad-mad Management, EDEKA-Effekt und die dunkle Triade der Persönlichkeit.
Einflussfaktoren des Karrierererfolgs nach Mayrhofer & Steyrer (Hrsg.). (2023). Foto: Stefan Klemens
  • Aktuelle Forschungsergebnisse und Publikationen zu:
    a) Den Einflussfaktoren des Karriereerfolgs auf Seiten einer Person und der Situation.
    b) Der intellektuellen Leistungsfähigkeit inklusive der Validität entsprechender Tests zur Prognose der Arbeitsleistung und des Berufserfolgs bei verschiedenen Tätigkeiten und besonders im Top-Management.
    c) Zum Zusammenhang zwischen Intelligenz und Persönlichkeit (im engeren Sinne), wie z.B. zwischen deren Facetten Wahrnehmungsgeschwindigkeit und negativer Affekt mit r = -0,53. Das bedeutet, dass jemand eine schnelle Auffassungsfähigkeit hat und wenig negative Gefühle erlebt (negative Korrelation). Wichtig, auch wenn dies häufig bereits bekannt: Diese Beziehung lässt keine kausale Interpretation im Sinne von „Wenn X, dann Y“ zu!
Abbildung: Ergebnisse einer schwedischen Studie (Adams et. al, 2018) mit 1,3 Mio. Männern zum Zusammenhang zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit (Pflicht zur Teilnahme an einem solchen Test bei der Musterung für das Militär in Schweden) mit 1 = niedrig und 9 = sehr hoch (X-Achse) sowie ihres Anteils in Prozent (Y-Achse) an: (A) CEOs von Unternehmen mit mehr als 10 Mrd. Kronen Gesamtvermögen [total assets] (schwarzer Balken); (B) CEOs von Unternehmen mit weniger als 100 Mio. Kronen Gesamtvermögen (türkiser Balken); und (C) an der Gesamtgruppe der getesteten 18-jährigen Männer (heller Balken). Interpretation: Die Gruppe A verfügte mit 18 Jahren (Zeitpunkt der Musterung und IQ-Messung) über eine höhere überdurchschnittliche, und die Gruppe B über eine überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit als die Gesamtgruppe der 18-jährigen Männer. Foto: Stefan Klemens
  • Berufsbezogene Persönlichkeitsprofile aus dem Top-Management gemessen mit dem BIP (siehe oben), z.B. von CEOs und CFO mit Vergleichen zwischen den häufig divergierenden Beurteilungen in den Selbst- und Fremdbildern bei den Ergebnissen einer Reihe von Skalen.
  • Die Formel und Berechnung des finanziellen Nutzens durch den zusätzlichen Einsatz eines validen Beurteilungsinstruments wie eines psychometrischen Tests im Top-Management mit dem Ergebnis, dass mittels dieser verbesserten Auswahl der geeignetere Bewerber durch seine höheren Leistungen dem Unternehmen einen Mehrwert von rund 105 Millionen Euro in fünf Jahren bringt.
Rüdiger Hossiep bei der Erklärung der Formel zur Berechnung des finanziellen Nutzens valider Beurteilungsinstrumente im Top-Management. Foto: Stefan Klemens

Zusätzlich wies Rüdiger Hossiep während seiner Keynote auf zwei weitere Akteure und ihre Events zur Management-Diagnostik und Führungskräfteentwicklung hin, bei denen er diesem Jahr als Speaker und Inputgeber zu Gast war:

(1) Der von Ursula Schütze-Kreilkamp zum zweiten Mal organisierte TopEx Dialog 2024 der Deutschen Bahn am 25. April 2024 in der Fabrik 23 in Berlin.

(2) Die gute Arbeit des Forum Assessment vor allem zur Qualitätssicherung von Beurteilungsverfahren im Human Resource Management und dessen Veranstaltungen wie der online durchgeführte Werkstatt-Bericht zur Praxis des Executive Assessment am 26. September 2024 sowie die jährlich durchgeführten Fachtagungen (die diesjährige Ausgabe fand letzte Woche am 28. und 29. November in Hannover statt).

Welche Empfehlungen gab uns der Leiter des Projektteams Testentwicklung zum Abschluss mit auf dem Weg, um Top-Manager besser auszuwählen und zu entwickeln?

  1. Intellektuelle Leistung klären.
  2. Psychometrische und anforderungsbezogene Verfahren zur Ermittlung der Persönlichkeitsstruktur einsetzen.
  3. Mut zu differenzierten Biografiearbeit auch zu unangenehmen Themen.
  4. Metaanalysen sind bedeutsam und aussagekräftig, jedoch das Top-Management ist lediglich im Promillebereich vertreten.

Hinweis von Stefan Klemens: Die Punkte 1 bis 3 treffen auch allgemein auf die Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern, Führungskräften und anderen Berufsgruppen zu die Relevanz von Punkt 4 hängt von der Verteilung der Merkmale der interessierenden Personengruppe in den berücksichtigen Studien der Metaanalyse ab.

Mit einigen Fragen an Rüdiger Hossiep wie zur Akzeptanz von kognitiven Leistungsstest im Top-Management („Passende Verfahren nehmen!“) endete seine tolle Keynote.

Mein Fazit:

Mit seiner lakonisch-humorvollen Art, seinen klaren Standpunkten, seinen profunden Kenntnissen und Erfahrungen sowie den präsentierten Inhalten nahm Rüdiger Hossiep das Publikum mit auf eine spannende Reise innerhalb der Management-Diagnostik im Top-Management.

Seine Ausführungen garnierte er zudem mit einigen interessanten Anekdoten zur Auflockerung beispielsweise aus seiner Zeit als junger Betriebspsychologe bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main von 1986 bis 1990, in der er auch Alfred Herrhausen und die erste Frau in einem DAX-Konzern, Ellen Schneider-Lenné, persönlich kennen lernte.

Die Zuschauer erhielten somit eine einzigartige Aktualisierung zur Management-Diagnostik von einem der bekanntesten Wirtschaftspsychologen und renommiertesten Eignungsdiagnostikers Deutschlands.

Ende und Heimfahrt

Damit endete um 15 Uhr der offizielle Teil des Anwendertags »Bochumer Inventare«, und es folgte der letzte informelle Austausch zwischen den Teilnehmern bei Kaffee und Kuchen bis zirka 16.30 Uhr. Mit vielen neuen und spannenden Eindrücken, guten Gesprächen und neuen Kontakten verließ ich die Bochumer Uni und fuhr zurück nach Düsseldorf u. a. mit der Idee für diesen Rückblick.

Heimfahrt: Rückweg vorbei am Audimax (größter Hörsaal einer Hochschule) der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zur U-Bahn Station. Foto: Stefan Klemens

Ich danke allen Beteiligten für diesen tollen Tag: Besonders natürlich dem Team um Rüdiger Hossiep und der Uni Bochum sowie den Referenten, meinen Gesprächspartnern und allen Teilnehmern, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Der nächste Termin des Anwendertags steht schon fest (15.11.2025), und ich hoffe wieder dabei zu sein. Vielleicht treffen wir uns dort oder vorher bereits? Ich würde mich freuen!

Herzliche Grüße, Stefan Klemens

PS: Interessiert an einem Austausch über digitales Assessment, People Analytics oder Künstlich Intelligenz im Human Resource Management? Dann schreibe mir eine Nachricht per E-Mail oder LinkedIn, um ein Video-Telefonat zu vereinbaren – Oder klassisch: Telefonieren.

Und: Dir gefallen meine Arbeit und die Inhalte, die ich regelmäßig teile? Dann freue ich mich über eine Vernetzung, einen Like oder einen Kommentar auf LinkedIn. Dankeschön! ? ?‍♂️?

Quellen und Literaturhinweise

Adams, R., Keloharju, M., & Knüpfer, S. (2018). Are CEOs born leaders? Lessons from traits of a million individuals. Journal of Financial Economics, 130(2), 392-408. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304405X1830182X

Hinweise zum Artikel:

(a) Den Artikel haben Adams und Kollegen unter gleichem Titel auch in anderen Medien und hier teilweise früher und öffentlich zugänglich publiziert, wie diese Recherche bei Google Scholar und dieses PDF, verfügbar am 29.11.2024, zeigen.

(b) Zudem präsentiert die Arbeit weitere Ergebnisse zu den Unterschieden zwischen späteren CEOs und den Werten aller gemusterten 18-jährigen Männer in nicht-kognitiver Fähigkeit (soziale und persönliche Kompetenzen) sowie Körpergröße.

(c) Die im Chart von Rüdiger Hossiep gezeigte Abbildung (siehe drittes Bild nach oben: Kognitive Leistungsfähigkeit als Prädiktor im Top-Management) findet sich im oben verlinkten PDF auf Seite 30. Das Zitat „The median large-company CEO is above 83% of the population in cognitive ability“ ist dort auf Seite 12. Dieses geht weiter: „above 92% in non-cognitive ability, and above 74% in height.“

(d) Zur Vollständigkeit hier die Zusammenfassung von Adams, Keloharju & Knüpfer aus ihrem Artikel von 2017 im dem verlinkten PDF:
„What makes a successful CEO? We combine a near-exhaustive sample of CEOs of Swedish companies with data on their cognitive and non-cognitive ability and height at age 18. CEOs differ from other high-skill professions most in non-cognitive ability. The median large-company CEO belongs to the top 5% of the population in the combination of the three traits. The traits have a monotonic and close to linear relationship with CEO pay, but their correlations with pay, firm size, and CEO fixed effects in firm policies are relatively low. Traits appear necessary, but not sufficient for making it to the top.“

Hossiep, R. & Schulz, R. (2024). OBOI. Occupational Burnout Inventory. Ein personalpsychologischer Fragebogen zur Burnout-Prävention. Göttingen: Hogrefe.

Hossiep, R., Berndt, W. & Zens, J. (2024). Mitarbeitergespräche (3. Auflage). Reihe: Praxis der Personalpsychologie, Band 16. Göttingen: Hogrefe.

Hossiep, R., Krüger, C. & Weiß, S. (2021). BIP-6F-AM. Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung – 6 Faktoren – Anforderungsmodul. Göttingen: Hogrefe.

Hossiep, R. & Mühlhaus, O. (2015). Personalauswahl und -entwicklung mit Persönlichkeitstests (2. Auflage). Reihe: Praxis der Personalpsychologie, Band 9. Göttingen: Hogrefe.

Mayrhofer, W. & Steyrer, J. (Hrsg.). (2023). Karriereachterbahn: Was unsere Berufswege wirklich beeinflusst. Wien: Linde.

Obmann, C. (2020). Auswahlverfahren: So können Manager im Assessment-Center bestehen. Handelsblatt, 05.12.2020. Online verfügbar am 27.11.2024 unter der URL: https://www.handelsblatt.com/karriere/auswahlverfahren-so-koennen-manager-im-assessment-center-bestehen/26680374.html

Schulz, R. & Hossiep, R. (2014). Der Bochumer Burnout-Indikator (BBI): Ein Frühwarninstrument zur Erfassung des aktuellen Burnout-Risikos (Forschungsbericht). Ruhr-Universität Bochum, Projektteam Testentwicklung. PDF am 27.11.2024: https://www.testentwicklung.de/mam/images/forschungsbericht_bbi_guetekriterien.pdf

Stanek, K. C. & Ones, D. S. (2023). Of Anchors & Sails: Personality-Ability Trait Constellations. Minneapolis, MN: University of Minnesota Libraries Publishing. Open Access am 02.12.2024:
https://umnlibraries.manifoldapp.org/projects/of-anchors-and-sails

Hinweis: Eine Zusammenfassung zu diesem Buch mit 24 Seiten von den Autoren unter dem Titel „Our Constellations. A Primer for Anchors & Sails […]“ findet sich unter diesem Link.

Süßmair, A. & Rowold, J. (2007). Kosten-Nutzen-Analysen und Human Resources. Weinheim: Beltz.